Donnerstag, 25. August 2011

Die Entscheidung ist gefallen.


21.08.11

Man, bin ich lange nicht zum schreiben gekommen!
Dabei ist echt ziemlich viel passiert! Am Sonntag kam kurz bevor wir ausgecheckt haben ein Kerl zu uns an den Tisch und fragte mich ob ich Zeit zum Arbeiten hätte. Da habe ich natürlich sofort ja gesagt und bin mit zwei anderen Leuten sofort aufs Zimmer um mich anzuziehen.
Der Kerl hatte die KAPUTTESTE Karre die ich JE gesehen habe. Es gab aber nur zwei Sitzplätze, das heißt der Dritte musste in den angeranzten Kofferraum. Zum Glück habe ich sowohl bei der Hin- als auch Rückfahrt bei Stein, Schere, Papier gewonnen…
Das gesamte Auto war vollgemüllt und ich war echt froh, als wir nach fünf Minuten ankamen.
Wie sich herausstellte, sollten wir bei einer Kunstauktion die Bilder hochhalten. Vorher gabs, wie hätte es anders kommen können, Probleme mit unser Text File Number, aber arbeiten konnten wir trotzdem.
Wir mussten natürlich nicht nur Gemälde hochhalten, sondern erst noch alle 170 Authenzitätszertifikate  einsammeln, sortieren, gut 100 Stühle in die Lagerhalle schleppen und aufbauen. Wir wurden sehr kurzfristig eingesetzt, weil in letzter Minute wohl welche abgesprungen waren, deswegen hatten wir extrem wenig Zeit und viel Stress.
Als es dann los ging, mussten wir die Kunstwerke in Scheinwerferlicht präsentieren, und sobald es verkauft wurde, schnell in die Lagerhalle bringen und der Größe nach aneinanderstellen. Hört sich einfach an, aber es war echt nicht so leicht. Erst mal waren das teilweise vier Meter mal zwei Meter große Rahmen, die nicht nur schlecht zu halten, sondern auch echt schwer waren (wir durften natürlich nicht mit den Fingern aufs Bild kommen) und dann musste alles Zack auf Zack laufen.

Es wurde nur aboriginal Art versteigert. Ich hab noch nie so viele Menschen mit Lesebrillen und überschlagenden Beinen gesehen… Ich muss ehrlich sagen, dass ich finde, das die meisten Bilder eher aussahen wie Aufnahmen aus einem Mikroskop von irgendwelchen Organismen. Einige gefielen mir zwar, aber als ich gehört habe, was die Leute so geboten haben, blieb mir die Spucke weg.
Das Teuerste Bild was ich halten musste, welches auch gleichzeitig das Anstrengendste war, wurde für 22500$ versteigert. - Es war SO hässlich.
Selbst Bilder, die schwarz mit ein paar weißen Punkten waren (nicht einmal sonderlich angeordnet), gingen für 1700$ weg.

Es gibt Menschen, die haben zu viel Geld. Sowas mach ich mir selber, wenn ich mal das dringende Bedürfnis nach weißen Punkten auf schwarzem Hintergrund habe.

Was mir auch noch auffiel war, dass bei den Zertifikaten immer Bilder von den Künstlern dabei waren. Alle sahen sehr arm aus und saßen auf dem Boden in spärlichen Räumen. Die Meisten leben zwar noch, sehen aber wahrscheinlich höchstens  1% von dem ersteigerten Geld. 

Naja, danach mussten wir wieder Alles weg räumen und einige der Bilder in einem LKW verstauen. Dafür, dass die anscheinend so viel wert waren, wurde ganz schön grob mit denen hantiert.
5000$ für ein Gemälde zahlen und irgendein Idiot lässt das einfach auf die bemalte Seite fallen...


Jedenfalls hab ich dann meinen ersten Check bekommen. 120$! Nicht schlecht für den ersten Job und  fünf Stunden Arbeitszeit! War schon ein gutes Gefühl.

Susi hatte uns während ich gearbeitet habe, ein neues Hostel gesucht. Das war schon eine Nummer schlechter und dreckiger als das YHA, aber dafür eben auch 7$ billiger pro Nacht. Wir sind zusammen mit Annika und Nils in ein Sechserzimmer gegangen.
Zum Glück waren unsere Mitbewohner echt super nett. Mike und Luci, ein Paar aus England, das drei Monate durch ganz Asien und seit einem Monat durch Australien gereist ist.

Endlich haben wir mal einen ganzen Abend nur Englisch geredet und die Beiden haben uns viel von deren Reise berichtet. Die schönsten Orte waren wohl alle zwischen Cairns und Brisbane wie z.B. Fraser Island, Magnetic Island, Airlie Beach, Whitesunday National Park und noch ein paar andere Parks und Strecken.

Dann habe ich mich gefragt, wofür bin ich eigentlich hier? Bin ich hier um in einer eher europäischen Stadt, wie Melbourne, zwei, drei Monate zu arbeiten und einen abgesicherten Lebensstil im Hotel zu führen?
Nein.
Ich bin hier um zu reisen und was zu erleben und wenn man das möchte, muss man eben auch mal Geld ausgeben und ein Risiko eingehen. Und die Beiden haben uns öfter ans Herz gelegt, dass wenn wir das Geld hätten, wir unbedingt die Ostküste runter reisen sollten.
Die Sachen die man dabei sieht und die Erfahrungen die man dabei macht, lassen sich nun mal so nicht stationär in einer Stadt machen.
Außerdem finde ich, geht es nicht darum, dass man den besten order günstigsten Weg zum Ziel findet (welches der Weg ist), sondern darum, das man überhaupt ankommt.
Klar ist es besser, wenn man am Ende mehr Geld übrig hat, aber wie gesagt:
Ich bin nicht hier um Geld zu sparen, auch wenn das dazu gehört.

Trotzdem muss ich sagen, dass weder Susi noch ich unnötige Geldausgeber sind; bis jetzt haben unsere Abendessen immer so 2-3$ gekostet…

Später haben wir noch über alles Mögliche geredet und darüber wie schwierig es ist als Paar zu reisen und wie leicht man sich mal in die Haare bekommt, aber wie normal das auch ist.
Echt schade, dass die schon am nächsten Tag abgereist sind.
Das war auf jeden Fall bis jetzt die beste Begegnung, die ich hier hatte.

Nun haben wir den Flug nach Cairns für 300$ mit Gepäck und Abholung gebucht. Nicht billig, aber es war ja auch relativ kurzfristig.

Achja, Susis Blog! Ist zwar noch nicht soviel zu lesen, aber das kommt ja hoffentlich noch!;)
--> http://suesisaustralia.blogspot.com/

1 Kommentar:

  1. Mensch Julian, dass liest sich ja wie eine Geschichte von Michael Ende. Selbst Ich, der nur ungern ein Buch in die Hand nimmt, ist begeistert.
    Wir sind stolz auf dich und sind sehr neugierig was es weiterhin zu lesen gibt.
    In meiner Jugend gab es diese Möglichkeiten wie ihr sie momentan habt nicht, deshalb freue ich mich umso mehr das ihr beide das erleben dürft.
    Lieben Gruß MAPA

    AntwortenLöschen