Freitag, 16. September 2011

Uncle Brians


30.08.11

Uncle Brians war die bis jetzt beste Tour die wir gemacht haben.
Eigentlich eine Regenwaldtour, aber es war mehr eine „Schwimm/Spaß-Tour“ was mich aber wenig gestört hat.
Morgens um viertel nach sieben wurden wir von Gus dem Bus und Cousin Brad, ein großer, schlaksiger Typ mit freundlichen Augen und Dreadlocks, abgeholt.



Uncle Brian konnte leider nicht, denn er hatte, wie Cousin Brad ausführlich erzählte, vor neun Monaten einen Unfall; er ist böse ausgerutscht. Zum Glück konnte sich seine Frau gerade noch unter ihn werfen, um den Sturz abzufangen. Und jetzt neun Monate später…
Naja, ich denke alle wissen, wie die Geschichte endet.
Aber ich bin mir sicher, dass Cousin Brad genauso cool, wenn nicht sogar cooler als Uncle Brian ist! Das erste was uns aber auffiel war, dass der Kerl einfach nicht aufhörte zu schnacken… Wir waren die ersten im Bus und jedes Mal wenn wir Zustieg bekamen, sagte Cousin Brad ganz erheitert: „Family, our family has just grown bigger!“, wendete sich zu den Neuen und sagte:
„This is your new family, family! And all of you just look beauuuutiful!“.
Dann stellte er jeden einzelnen mit Namen vor, immer wieder, sodass ich, als wir komplett waren, sogar die meisten aller Namen konnte.
Während der Fahrt brach Cousin Brad gelegentlich mal ein paar harmlose Verkehrsregeln und betonte immer: „It’s only illegal if they catch you!“ und klappte beim überfahren einer gerade rot gewordenen Ampel immer den Sonnenschutz runter. Nach einer weiteren „Cherry-green“-Ampel beruhigte er uns, dass ihn die Polizei, wenn wir erwischt werden, den Führerschein gar nicht wegnehmen könne, weil er eh keinen hat und deswegen wäre es besser, dass wir uns immer alle ducken, sobald wir die Polizei sehen würden.
Bei der weiter Fahrt wurde uns dann klar, dass der Kerl einfach nicht aufhören würden zu reden und langsam fragte man sich, wie man das aushalten sollte.
Denn wie er erklärte war die 1. Regel: „NOBODY sleeps!“ und die 2.: „EVERYBODY get’s wet!“.

Unser erster Stopp war ein wenig ernüchternd, weil der Marsch auf einem geteerten Weg durch den Regenwald doch etwas paradox schien. Und desweiteren war ziemlich viel durch den Cyclon im Februar kaputt. Normalerweise könne man wohl maximal ein, zwei Meter in den Wald gucken und nicht 40 Meter. Wahrscheinlich dauert es an die 30 Jahre bis sich der Regenwald wieder einigermaßen erholt hat.

Der Gang entlang des Flusses mit beeindruckend riesigen, vom Wasser in tolle, weiche Formen geschliffenen Gesteinsbrocken, war aber dennoch schön. Und es gab eine tolle Aussicht von ein paar Plattformen. Aber das Ganze war zum Glück nichts stark belaufen, sodass man die Natur auch ein wenig auf sich wirken lassen konnte! 





Zurück am Bus, gab es leckere Kuchen, Muffins und Kekse mit Getränken. Als wir fertig waren meinte Cousin Brad, dass wir jetzt auch was Gesundes zu uns nehmen müssten und schnappte sich eine große Ameise mit einem grünen Hinterteil und leckte daran. Ach was soll‘s, dachte ich mir und leckte dann auch am Hinterteil einer Ameise! Und ich kann nur sagen, es war extrem sauer, aber eigentlich auch ganz lecker und die Ameisen sollen wohl viel mehr Vitamin C als Zitronen enthalten. Nachdem man die Ameisen wieder absetzte, krabbelten die zwar etwas irritiert aber unversehrt weiter. Der Trick ist wohl, die Ameise ganz leicht am Kopf mit zwei Fingern festzuhalten, damit sie einen nicht beißen können und man ihnen nicht weh tut.
Dann fuhren wir durch den nassesten Ort Australiens, Babinga! Immer wenn wir an einheimischen vorbei fuhren, hupte Brad und die Einheimischen winkten uns zu und wir zurück! Das interessante ist, dass Babinga und Tully seit einigen Jahren einen Wettkampf haben, wer mehr  Niederschlag hat und Babinga gewann das vorletzte Mal mit 6,5 Metern und bekam dann den goldenen Regenstiefel. Das letzte Mal hatte Tully aber 7,1 Meter und Babinga beschuldigte Tully des Schummelns und behielt den Stiefel einfach. Daraufhin baute Tully dann einen riesigen goldenen Regenstiefel, der begehbar ist und am Eingang des Orts steht.
Cousin Brad unterhielt sich auch öfter mal während der Fahrt mit Gus dem Bus, der dann durch Hupen antwortete oder Motor stottern reagierte, was ganz süß und unterhaltsam war. Die armen Autofahrer um uns herum…
Dann fuhren wir auf unseren zweiten und ersten nassen Stopp zu. Nach einem kurzen Marsch in den Wald, kamen wir an unserer ersten Badestelle an. Unter drei Wasserfällen, zu deren Fuß immer ein kleiner Badepool war, fand sich eine Rutsche aus Stein über die das Wasser floss. Von einem  höheren Stein aus Sprang man in den ca. 20 Meter tiefen Pool und schwamm hin zum flacheren Teil der „Rutsche“ und probierte irgendwie hoch zu kommen. Die Algen auf dem Stein waren extrem rutschig, sodass das Ganze nicht so einfach war.



Leider hatte ich etwas Kopfschmerzen und das doch eher kalte Wasser machte das Ganze nicht besser… Aber es machte trotzdem Spaß und ich bin dennoch drei Mal gerutscht. Nach einer Paracetamol ging’s dann auch gleich besser und es ging weiter zum nächsten Ort.
Während der Fahrt hörte Brad natürlich nicht auf zu reden und erzählte uns Halbwahrheiten aus seiner Lebensgeschichte die dennoch amüsant und interessant waren.  Als wir durch einen anderen Ort fuhren, wollte uns Gus seine Freundin, den Milchwagen zeigen. Als dieser aber nicht da war, wurde Gus ganz traurig und fing an zu weinen (Windschutzscheibenreiniger sprühte und die Scheibenwischer wischten hektisch hin und her). Obwohl Brad probierte Gus zu trösten fing der Motor an zu stottern und ging schließlich ganz aus. Der einzige weg wie wir Gus wieder zum fahren bekommen würden, wäre ihn mit einem exotischen Tier welches im Baum hinter uns wohnen würde, erzählte uns Brad. Um das aber zu sehen müssten wir uns alle wieder ducken und ganz leise sein und dann wenn wir unterm Baum sind mit offenen Fenstern so viel Krach wie möglich machen. Als wir direkt unterm Baum standen fragte Brad uns flüsternd ob wir es schon sehen würden, als aber alle ihren Kopf schüttelten rief er:
„On the other side! Now!“
Und wir alle machten so viel Krach wie möglich und sahen eine ältere Dame die aus einer Kiste zwei riesige, bunte Stofftierschlangen/Raupen holte und uns zuwinkte. Das war schon ganz herrlich. Brad erzählte uns dass die das schon seit ein paar Jahren machen und die ältere Dame weder mit irgendjemanden verwand ist noch bekommt sie Geld, sie macht das einfach nur um sich zu freuen und Freude zu bereiten. Und das obwohl wir 25 Minuten zu spät waren… Sehr sympathisch!
Kurz bevor wir beim dritten Stopp des Tages ankamen, erklang perfekt getimed Strauss‘ „Also sprach Zarathustra“ und beim Finale bot sich uns der Blick auf die berühmten Millaa-Millaa Falls.
Bekannt durch Peter Andre’s Mystical Girl und die Herbal Essences Werbung.
Leider waren wir etwas am frösteln, da sich die Sonne hinter ein paar Wolken versteckte. Die Mädels machten alle das berühmt berüchtigte „Haarspritzspur vorm Wasserfall“-Foto und deshalb dachte ich mir, mach ich das auch mal als Scherz mit meinen 3cm langen Haaren! Hat auch ganz gut geklappt!



Weil ich dann ja schon mal drin war, schwamm ich dann durch den Wasserfall und setzte mich dahinter auf die Steine. Ein Wahnsinns Anblick; zu sehen wie das Wasser über die Kante floss, einzelne Tropfen die fast in der Luft zu schweben schienen und sich alles in diesem gewaltigen Wasserfall ergab, der einen ohne Wehzutun leicht unter die Wasseroberfläche drückte.



Danach stiegen wir alle durchgefroren in den Bus und Brad erzählte uns, das Gus „Snoop Dog“ mag und auch gerne selber rappt, sich das aber nur traut, wenn wir ihn alle mit „Snoop Gus“ anfeuern. Alle hoben ihren Hände in die Luft und riefen im Takt „Snoop Gus!“ und Gus fing an zu bouncen, wie die getuneten Autos in Rap-Videos!

Dann fuhren wir zu einem Restaurant um zu essen und spielten auf dem Weg Geschicklichkeitsspiele. Das Essen war enorm lecker und es war auch echt nett mal Neues zu essen. Die Aussicht war auch toll, ein wenig wie die Toskana nur eben in den Tropen. Als Nachtisch gab es Vanilleeis mit einem frisch gebackenen, flauschigen Schokoladenkuchen mit leckerer Schokoladensoße! Das war toll, weil Nachtisch, vor allem sowas Leckeres, echt selten für uns ist.

Nach einer kurzen Pause fuhren wir weiter und spielten im Bus ein Spiel, bei dem jeder ein Streichholz im Mund hatte und man ohne seine Hände einen kleinen Ring weiter an seinen Sitznachbarn zu geben musste. Sehr lustig wie ich finde, auch weil ich mit Nils der einzige Junge im Bus war…

Als wir wieder zum halten kamen waren wir an einem erloschenen Vulkan angekommen, in dem sich über die Jahrhunderte ein See gebildet hat, in dem wir Schildkröten und Fische sahen und später auch schwammen. Zum Glück war das Wasser etwas wärmer als bei den Millaa-Millaa Falls, obwohl die Sonne schon am untergehen war.



Deswegen sind wir schnell wieder in den Bus, um zu einer Stelle zu fahren an der man mit Glück in der Dämmerung Platypusse beobachten kann. Ein sehr seltsames, scheues Tier, welches nicht Recht Säugetier und nicht Recht Vogel ist. Leider sahen wir nur einen Schatten, aber es gab für jeden eine heiße Schokolade und später auch eine warme Dusche in einem netten Hostel.

Auf der Rückfahrt war es schon dunkel, sodass man eigentlich gut hätte einschlafen können, wenn dann nicht die 266 Kurven am Stück gewesen wären, die teilweise echt wahnsinnig eng waren und ein von rechts nach links warfen.
Dann fing Brad an zu erzählen: „When the night is dark, and the moon…” und alle fingen an zu singen und zu klatschen… Die ganze Rückfahrt durch, zu Songs wie YMCA, 500 Miles und Down Under!
Es war also eine echt tolle Stimmung im ganzen Bus und alle hatten Spaß.

Den ganzen Tag über hatte Brad uns immer wieder erzählt, dass wir eine „family“ seien und „beauuuuutiful“ sind, sodass man am Ende echt etwas traurig war, dass es vorbei war. Alle sagten sich tschüss und alle wurden von Brad noch einmal umarmt, bevor er dann mit Gus in die Dunkelheit verschwand.
Ein echt sympathischer, toller Kerl, der wenn man mit ihm alleine geredet hat auch ganz normal war und sich für einen interessierte.

Alles in allem ein toller Tag mit tollen Fotos und Momenten! 

2 Kommentare:

  1. Super Post! Ich bin begeistert! Made my day, really!
    Habe nicht selten schmunzeln und kurz auflachen müssen, was sich nicht besonders gut macht wenn man in der Bibliothek dicht an dicht mit anderen Studenten sitzt, die einen nach vermehrten Malen genervt von der Seite fixieren! :D
    hachja, das gibt mir Mut. Macht's gut und genießt eure Zeit in vollen Zügen.

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  2. Das freut mich! :D
    Ich vermisse Dich, mit Dir kann man richtig viel Spaß haben und sich richtig gut streiten...;) Zieh mal in ne WG! Und bleib nicht allein im Studentenwohnheim sitzen!
    Ja wir probieren das, aber es ist nicht so einfach wenn man noch gar kein Geld verdient hat... "Leider" ist die Uncle Brians Tour bis jetzt immer noch die Beste. Das ist schade. Aber jede Erfahrung ist wohl wertvoll!;) Mal sehen wir die nächsten Sachen sind!:)
    Liebe Grüße vom kleinen Bruder...
    'NUMBAH ONE'

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