Sonntag, 25. September 2011

White Water Rafting

09.09.11

Heute war White Water Rafting Tag! Und am Anfang lief nichts glatt…
Wir hatten direkt Zeitprobleme und der Bus musste auf uns warten, was ich jetzt hasse, obwohl ich in Deutschland immer Alles und Alle habe warten lassen. Und Susi hasst das glaube ich noch viel mehr.

Jedenfalls bin ich gestern Abend um acht Uhr halbtot, mit Kleidung ins Bett gefallen und nicht mehr aufgestanden, bis mich heute Morgen um fünf die Kälte weckte. Wir sind jetzt nämlich in Mission Beach in Scotty’s Hostel. Gestern sind wir mit einem Taxi um sechs Uhr morgens vom Cairns Beach House zur Bushaltestelle gefahren und sind dort in unseren aller ersten OZ Experience Bus gestiegen. Der war allerdings etwas enttäuschend, da es kein richtiger, sondern ein Ersatzbus war.
Die Fahrt hingegen war gut, auch wenn es etwas eng im Bus war. Man sah viel interessante Landschaft  und die Fahrerin erzählte uns von Sachen und Orten die man unbedingt machen und besuchen sollte.

Kurz vor unserem Ziel, Mission Beach, fuhren wir durch einen Teil des Regenwaldes, der sich bis nach Cape Tribulation hoch erstreckt, in dem der gefährlichste Vogel der Welt wohnt, der Cassowary. Durch einen Wirbelstorm (Yasi) im Februar ist aber enorm viel im Regenwald kaputt gegangen und viele der schon seltenen Tiere sind gestorben oder über die Zeit verhungert. Die Leute hier sind sogar mit Hubschraubern über die Gegend geflogen und haben Früchte fallen lassen, um den Cassowarys zu helfen. Die sind nämlich besonders wichtig für den Regenwald, weil sie ca. 120 verschiedene Früchte essen und dann die Samen im perfekten Dünner wieder ausscheiden und somit eine große Rolle am Erhalt der Vielfalt des Regenwalds spielen. Wenn man hier einen  Cassowary überfährt und einem nachgewiesen wird, dass man zu schnell gefahren ist, soll das so schlimm sein, als hätte man ein Kind überfahren. Deswegen stehen auch überall Warnschilder und Hinweise!

Das Hostel gefällt mir ziemlich gut, alles 
sieht sauber aus und es ist sehr relaxed, nur dass die Zimmer sind ein wenig klein. Wir schlafen in einem Sechsbettzimmer mit zwei anderen und es gibt natürlich leider kein Doppelbett mehr. Der Pool ist extrem cool, relativ groß und am einen Ende drei Meter tief und am Anderen einen Meter. Über dem Pool liegt ein Balken, auf dem wir gestern die ganze Zeit hin und her balanciert sind und ein paar Sachen ausprobiert haben. Es gibt viele Hängematten und sogar echt gut Liegestühle zum Sonnen. Also alles im allem sehr entspannend und urlaublich.



Wie dem auch sei, White Water Rafting! Der Bus musste also auf uns warten und wir mussten im Stress das wichtigste zusammenpacken. Normalerweise überleg ich mir das immer am Abend vorher, aber das hatte ich ja leider versäumt. Im Endeffekt habe ich also Sachen mitgenommen, die völlig überflüssig waren und Anderes vergessen. Meine Kontaktlinsen. Das fiel mir dann auf als ich mich wunderte warum der Regenwald so schwammig aussah. Deswegen hatte ich prompt schlechte Laune und auch der Fahrer war mir nicht allzu sympathisch. Vor Ort mussten wir dann noch für 4$ Schuhe mieten und ich hab mir dann noch ein Neoprenshirt für 6$ gemietet, weil ich nicht frieren wollte; das hat natürlich auch genervt.

Auf der Fahrt zum Tully River wurde es dann schon besser. In Tully wird extrem viel Sugar Cane verarbeitet und Bananen angepflanzt und weil der Zyklon eben alles kaputt gemacht hat, sind Bananen hier auch so teuer. Momentan 13$ das Kilo (vor ein paar Monaten noch 20$!). Wir waren in Gruppe 1. Alle anderen waren schon mit ihren Guides los, nur unserer war noch nicht richtig fertig und der hatte dazu noch einen eher seltsamen Humor. Susi, Nils und Annika, die die 6$ erst nicht ausgeben wollten, haben sich dann doch noch Neoprenshirts angezogen und los ging’s.

Am Anfang schien der Guide eher schwierig als sympathisch, aber wie sich herausstellte hatten wir den Gruppenleiter und erfahrensten Guide. Und langsam wurden wir alle „warm“ und der Guide entpuppte sich als echt cooler Typ, der das Ganze nicht so geleckt aufgelegt gestaltet. Ben, so heißt der gebürtige Kiwi, schien auch Ahnung über die Gegend und Natur zu haben und erzählte öfter interessante Sachen während er uns immer wieder Befehle zu rief. Alle mussten immer schnell reagieren und sich z.B. auf die linke Seite schmeißen wenn er es sagte oder mit eingezogenen Beinen ins Boot setzen. Das Rafting machte Spaß und konnte auch leicht mal gefährlich werden, aber  ich hatte es mir „schlimmer“ und ein wenig aufregender vorgestellt.

Zu Mittag gab es Burger, die man entspannt am Fluss essen konnte. Die Natur am Fluss war schon schön mit anzusehen. Fische schwammen in den Calm Sections nah am Boot und leuchtend blaue Libelle setzen sich auch gerne mal drauf.
Man merkte direkt, dass Ben einen ganz eigenen Lebensstil hat. Er sagte er würde später vielleicht gerne mit Problemkindern arbeiten und sie raus in die Natur bringen, weil viele einfach nicht in dieses strikte Schulsystem reinpassen. Aber er war nicht dieser belehrende Typ, sondern eher ein Adrenalin-Junkie der sich immer neue coole Aktivitäten sucht, die ihn faszinieren. Oft sagte er, wie bewundernswert er Wasser als Element findet und wie die Physik alles beeinflusst und wir eigentlich auch nur aus Wasser bestehen… Also so ein Naturromantiker!

Auf jeden Fall hatten wir viel 
Spaß mit ihm auf der Tour. Und im Endeffekt war ich auch echt froh das Neoprenshirt für 6$ ausgeliehen zu haben. Als wir das Boot aus dem Wasser hievten, erzählte uns Ben, wie sehr ihn das „Geschäft“ stört, und das die anderen drei nichts mehr für ihre Neoprenshirts zahlen müssten und wenn es nach ihm ging, die Fotos, die zwar echt gut, aber einfach mal übertrieben teuer waren, mit im Preis drin wären. Also ein echt cooler Typ. Hat mich zwar geärgert das ich als Einziger für mein Neoprenshirt zahlen musste, aber das war es mir ja wert.

Mit uns im Boot saß noch ein Paar, ein Australier mit seiner englischen Frau. Beide super nett und beiden sahen jünger aus als sie waren. Mit denen habe ich mich während der Tour und der Rückfahrt noch gut unterhalten, unter anderem über meine Zukunft, Kinder und die Job-Wahl. Er ist Anwalt und sie „Umweltschützerin“.
Deshalb fragte ich sie am Ende, ob sie die Arbeit nur aus Überzeugung tun würde oder ob es auch gut bezahlt wird. Natürlich eher das Erste, aber sie hat sich wohl hochgearbeitet, sodass sie 70.000$ im Jahr verdient. Echt gut wie ich finde, dafür dass sie etwas tut womit sie aus Überzeugung angefangen hat! Dann fragte ich ihn und seine Antwort machte mich schon echt baff.
650.000$ im Jahr.
Wahnsinn. Das ist so unglaublich viel Geld.
Und ein ganz normaler Kerl, der mit uns im Boot saß und die Fotos auch nicht kaufen wollte, weil sie ihm ebenfalls zu teuer waren. Dann musste ich natürlich nach Arbeitszeiten und Kinderplänen fragen und so weiter. Das Ganze hat mich schon beeinflusst und ein wenig zum Nachdenken gebracht.



Im Endeffekt weiß ich jetzt natürlich immer noch nicht was das Bessere für mich ist: Mehr Geld, weniger Familie oder weniger Geld, mehr Familie. Natürlich ist das Alles nicht ganz so einfach. Aber ich denke das Wichtigste ist, was man draus macht. Sowas wie das Beste gibt es wahrscheinlich sowieso nicht.

Whatever works, I guess…

Wieder ein Nachtrag (den Luxus kann man sich nur leisten wenn man es zwei Wochen lang versäumt das Geschriebene zu posten…): In der Wet-Season, in der es nicht nur viel heißer ist, sondern auch viel mehr regnet, sollen die Wasserströme viel gewaltiger und schneller sein, sodass das Rafting viel extremer ist und wahrscheinlich auch noch mehr Spaß macht.
Solche Sachen erzählt einem natürlich kein Travel-Agent. Deswegen würde ich eigentlich echt gerne nochmal Raften gehen… aber das passt eher schlecht in den Zeit und Budgetplan. Mal sehen...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen